Das elfte Gebot!

Aktivhäuser

Das elfte Gebot ist die Technologie

03. Juli 2009, 20:33
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    "Werner Sobek. Skizzen für die Zukunft. Forschen, Entwerfen, Konstruieren." Ringturm, Schottenring 30, 1010 Wien. Zu sehen bis 16. Oktober 2009

Architekt Werner Sobek fordert neue Produkte - Statt Dachziegel, wasserdichte Module aus Foto­voltaik mitsamt Wärmeisolierung - "Das wäre zeitgemäß!"

Die Baubranche hinkt der Forschung hinterher, meint der deutsche Architekt und Bauingenieur Werner Sobek. In einer Ausstellung in Wien zeigt er die wichtigsten Ideen für das Bauen und Wohnen von morgen - Von Wojciech Czaja 

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Hält man sich die genauen Zahlen vor Augen, dann kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass Bauen unter heutigen Bedingungen nichts anderes ist als ein schleichender Mord an Mutter Natur. Die weltweite Bautätigkeit mitsamt Gebäudebetrieb und - früher oder später - Abbruch und Entsorgung der Baumassen verschlingt rund 35 Prozent aller Energieressourcen. Hinzu kommt, dass die Baubranche für 40 Prozent aller Emissionen und für 50 Prozent des globalen Müllaufkommens verantwortlich ist.

Ökologische Bewegung

"Das ist doch schockierend", sagt der Stuttgarter Architekt Werner Sobek, "in Anbetracht derartiger Zahlen muss jeder vernünftige Mensch einsehen, dass die Architektur, so wie sie heute gehandhabt wird, unmöglich fortgeführt werden kann." Die erste ökologische Bewegung gab es bereits vor 20 Jahren. Doch damals, da seien die ökologischen Pioniere nur ausgelacht worden: "Das waren Sandalenträger mit Latzhose, man hat sie einfach in die Müsli-Ecke gestellt."

Umweltverträgliche Realisierung

Es ist unter anderem dem avantgardistischen Sobek zu verdanken, dass sich dieser Umstand längst gewandelt hat. Heute zählt er zu den absoluten Vorreitern in Sachen Zukunftswohnen und neue Bau- und Wohntechnologien. Neben seiner Tätigkeit als Architekt arbeitet er als ökologischer Allround-Konsulent und verhilft vielen Projekten - vom schicken Einfamilienhaus bis hin zum Flughafen Bangkok - zur umweltverträglichen Realisierung. In einer Ausstellung im Wiener Ringturm unter dem Titel Skizzen für die Zukunft. Forschen, Entwerfen, Konstruieren kann man Sobeks OEuvre derzeit genau unter die Lupe nehmen.

Passivhaus ist eine Sackgasse

"Ich finde es unverantwortlich, wie heutzutage gebaut wird", erklärt der 56-jährige Universitätsprofessor, "das Passivhaus gilt bereits als das höchste der Gefühle, doch in meinen Augen ist diese Bauweise eine Sackgasse." Nicht passiv, sondern aktiv müssten die Häuser sein. "Allein die Sonnenenergie, die auf die Erde prallt, ist 10.000-mal mehr, als die Menschheit benötigt. Es ist doch nicht zu viel verlangt, den Bruchteil eines Promilles in Form gebäudeintegrierter Energiegewinnungsanlagen zu generieren, oder?"

Die Realität sieht anders aus. Anstatt selbstständig Energie zu produzieren, werden die Häuser in immer dickere Wärmedämmung gepackt. Alibimäßig schraubt man dann ein paar Quadratmeter Sonnenkollektoren aufs Dach, und die Sache hat sich. Genau hier, meint Sobek, sei die Industrie gefordert, neue, zeitgemäße Produkte zu entwickeln.

Neue Produkte sind gefragt

"Vor 2500 Jahren war ein Ziegeldach durchaus sinnvoll. Doch man möchte meinen, dass wir heute schon weiter sind als in der Antike. Wie kommt es, dass es bis heute nicht gelungen ist, statt der üblichen Tondachziegel fix-fertige wasserdichte Module aus Fotovoltaik mitsamt Wärmeisolierung auf den Markt zu bringen? Das wäre zeitgemäß!"

CO2 bei der Zementherstellung

Solche und viele andere Überlegungen liefern das konstruktive und materielle Unterfutter für die Ausstellung. Zu sehen sind etwa neue Glas- und Kunststoffrezepturen, aber auch speziell entwickelte, aufgeschäumte und mit Titanspänen versehene Betonmischungen. Sobek: "Kaum jemand weiß, dass bei der Zementherstellung mehr CO2 anfällt als beim gesamten globalen Flugverkehr." Intelligent zu planen und zu bauen, beinhalte daher auch, den Betonanteil in Gebäuden auf das absolute Minimum zu reduzieren. Die Materialexperimente der letzten Jahre zeigen, dass das möglich ist.

Häuslbauer sind das wichtigste Zielpublikum

Größtes Problem: Die Häuslbauer sind schwer zu erreichen. Dabei sind sie das wichtigste Zielpublikum für die neuen Bau- und Wohnkonzepte, schließlich machen Einfamilienhäuser drei Viertel aller Gebäude in Österreich aus. Hier müsse die Politik noch viel Aufklärungsarbeit leisten, sagt Sobek. "Es müsste eine Art elftes Gebot geben: Du sollst in einem umweltverträglichen Haus wohnen.

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